Birgitt Shola Starp

Birgitt Shola Starp | Fluchtbräute | Weide, Haselnussrute, Pferdehaar, Meeresfundstücke | je 1.500 €
Birgitt Shola Starp | Fluchtbräute | Weide, Haselnussrute, Pferdehaar, Meeresfundstücke | je 1.500 €

Fluchtbräute: Jemanja, Windsbraut, Ariadne

Nr. 4 im Wegeplan

IM NAMEN DER FRAU

 

Im Namen der Frau

ob das das Firmament 
sie immer 
stützen möge

ob das ihr niemand 
den Körper und das Herz
beleidige
noch ihr das Himmelblau
entwende
und die Schönheit

ob das sie einzig und allein
Liebe trinke
Liebe

ob das die Nacht und die Angst
sie nie streife

ob das es der Ewige sei
der neben ihr wandle

ob das der Wind und die Zeit
sie behüte

wo immer sie hingehe.

 

DALE  ZACCARIA 2016

La poesia si vive e poi si scrive
www.dalezaccaria.com
www.womeninculture.eu 

übersetzung b s starp

 

FLUCHT BRÄUTE

BIRGITT SHOLA STARP 2016

„Mit der In Italien sehr nahen Erfahrung der erschütternden Schicksale der immer noch flüchtenden und im Mittelmeer ertrunkenen Menschen, unter denen eine junge Afrikanerin die, schon im Meer versunken, ein Kind geboren hatte, habe ich lange einen Weg gesucht sie nicht zu vergessen im opulenten Deutschland.

Die Fluchtbräute haben sich so eingestellt in meiner Arbeit, für alle Frauen die flüchten mussten, vor Gewalt, Missbrauch, Krieg, Hunger, Unfreiheit, Verrat, Verlassenheit.

Wohl jede Frau hat einiges davon selbst erlebt.”

Der eher konzeptuelle und oft mystische Zugang zum Kunstschaffen von Birgitt Shola Starp ist immer subtil präsent.

Das Treffen/Aufeinanderprallen verschiedener kultureller Erfahrungen mündet in Zyklen von Werken, die den weiblichen Archetypen und der Integration von Männlich und Weiblich gewidmet sind, und in der Erschaffung und Leitung von Lesungen und Seminaren, die Kreativität, Rebirthing, Reiki, Raku Keramik und Techniken der zeitgenössischen Kunst miteinander verbinden.

In Deutschland geboren, in Dänemark aufgewachsen, hat Birgitt Shola Starp seit 1973 ihre künstlerische und kulturelle Nomaden-Heimat in Anticoli Corrado bei Rom, Italien, gefunden.

Viele Jahre Aufenthalte in Holland, England, Spanien, Kroatien, Slowenien, und Brasilien haben ihre Werke und ihre Suche nach den menschlichen Wurzeln außerdem geprägt.

Seit Mai 2015 lebt sie auch in Ostholstein.

HEIMATWORTE 

BIRGITT SHOLA STARP 2016  

Wenn mir die Farben fehlen, versuche ich in die Worte zu fallen.

Die vorgefertigten Worte aus dem vergessenen Schatz der Muttersprache die sich mir früh entzog - oder sich mit Widerhaken in mich hineinfraß  - kennen mich nicht.

Gibt es unbedarfte Worte? Selbstvergessene, unaufdringliche Worte die sich den Gedanken fügen, und nicht umgekehrt?

Diese große Sprache in der alles Leid, alle Schuld, alles Sehnen, alles Dichten und Lieben der Menschen schon gesagt wurde, tönt wie ganze Orgelwände im kalten Wind hier neben mir.

Können kleine Wortkrüller, klitzekleine Kräusel noch auf Bodenebene aus den Ritzen hervorquellen, kleine Häufchen tanzender Wortblättchen die sich im Sog der großen Fugen über ihnen, niedlich in kleine Nestchen flechten?

Wo suche ich Heimat? Könnte man ein Los kaufen für das man ein Stück Heimat gewinnt? Gibt es ein Grundgesetz das ein Stück Heimat sicherstellt, für jeden - vielleicht auch exportierbar - ? Ja, hier, ein Stück Heimat, jedem seine Heimatsprache, sein Maß an Worten, Lauten, Tönen, Liedern und Erinnerungen!

Wo nur hab ich meine Heimat gelassen? Überall kleine Fitzelchen, große Fladen, lose Flicken, letzte Flocken - alles gesammelt und verloren, in einem kühnen glitzernden Bogen gespannt und zerplatzt im klirrenden Scherbenhaufen zusammengefegt.

Was ist dann die Quintessenz der endlosen Sammlungen, des geduldigen Zusammenleimens von Schnipseln um die Heiligkeit der Momente dem belanglosen Entfliehen zu erretten - ?

Wie fügt sich die auf längst entfallenen ewig währenden Sonntagnachmittagen angehäufte Erfassung verblichener Schneckenhäuser unter den Bahndammbüschen hinter der Station von Wiesbaden, nur mit lauer Luft und dem leisen Duft von trockenem Seetang gefüllt, in den Begriff Heimat zusammen?

Wieviel Heimat ist nötig um sicher laufen zu können; auf wieviel Heimat muss man sich verlassen können um einfach drauflos zu laufen - wie lange kann man laufen bevor die Heimat abgelaufen ist? Wessen Heimat beträte ich dann?

Als Tourist darf ich überall die Heimat anderer betreten. Als Produzent von Produkten auch. Als Händler auch, auch und sowieso von Waffen. Eigentlich darf ich mich überall breitmachen wenn ich etwas im Schilde führe, ein gutes Schild führe das mich deckt, ein Schild mit dem ich mich gewappnet habe, aus vollen Worten und vollem Wams.

Aber wenn ich, so wie ich, nichts habe in meiner Akte als warme knochenweiße leere Schneckenhäuser, oder die Adlerschwingen im tiefen Schnee im Kölner Königs-forst, und die ersten verkohlten Esskastanien auf der heißen gusseisernen Ofenplatte - worauf poche ich dann?

Und die Anderen die nur den Wind ihrer verprügelten Hügel im Ohr mitgenommen haben, die klebrigen Saftreste der roten Beeren in den Falten zwischen den Fingern?

Die Erde ist überzogen worden von undurchlässigen Wortkrusten, Lügen-Geschichten, Schmutzschichten, Gesetzesdichten, Sichtblenden und Drahtvorrichtungen.

Die Erde ist abgedichtet gegen Heimatsucher. Kein weiterlaufen, hinlaufen, weglaufen, vorlaufen, durchlaufen, verlaufen mag mehr auf dieser Erde sein. Nur fließen geht noch, tauchen, schwimmen, sinken, schwanken, taumeln, wiegen, trinken, ertrinken.

Das Meer ist noch sich selber treu, es ist der Heimatlosen Mutterbusen, Rettungsboot, Gebärmutter und weiches Grab zugleich. Das Menschenwerk der Grenzen wird wenigstens von diesem großen Nass verwischt.

Doch Heimat?

Erde brauchen wir, aus deren Saiten Worte strömen wie Düfte, Klänge tönen wie Metall auf Knochen, Luft steigt mit Drachen in Spiralen an den Stränden.

Und wer verwehrt die Heim-Bewegung - jenen ja und diesen nicht? Und wessen Wahrheit weht auf jedem Hügel? Erlauben wir schon wieder diese Heimat-Klauberei, den Stau von allem was sich fließend überall ergießt seit Urgezeiten: wo Deiche bauen gegen Ströme von dem Lebensfluss der sich schon immer von dem Ort hinwegbewegt hat wo das Leben nicht mehr weilen kann?

Wo schreien Halt! mein Heimatboden nimmt das Leben nicht mehr an, nur meins seit einigen Jahrzehnten, nein deins von heute aber gar nicht mehr: es reicht mit einer Schicht, dein Leben muss woandershin sich winden!

Wessen Wort Heimat wiegt denn am schwersten, wessen Gerechtigkeit verschafft sich wohl Gehör?

Wohin mit meiner suspendierten Heimats-Ortung, so leise im Gefüge tosender Geschichtsentfaltung; vielleicht nur ein Versuch dem Worte Deutsch die Ungerechtigkeit, das Grausen und die Beleidigung zu nehmen, und darauf etwas mehr von Menschenliebe, Offenheit, Großzügigkeit zu pflanzen.


Birgitt Shola Starp bei der Führung durch Bissee
Birgitt Shola Starp bei der Führung durch Bissee

Kontakt

Birgitt Shola Starp
Im Winkel 11
23758 Döhnsdorf/Wangels

E-Mail: birgittshola(at)gmail.com
Internet: www.foerderverein-bildende-kunst-oh.de

Führungen

Für Führungen rufen Sie uns bitte an - Tel. 0 43 22 - 33 60 oder schicken Sie uns eine E-Mail info(at)skulptur-in-bissee.de.

Wollen Sie die Ausstellung auf eigene Faust erkunden, finden Sie den Wegeplan am Antik-Hof oder laden Sie ihn hier herunter.

Wegeplan zum Download
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